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Migräne bei Kindern mit ADHS – Neurofeedback als Therapieansatz

Migräne bei Kindern mit ADHS: Ursachen, Zusammenhänge und Neurofeedback

Warum Migräne bei Kindern mit ADHS häufiger vorkommt

Viele Eltern suchen Hilfe wegen Konzentrationsproblemen, Unruhe oder schulischer Schwierigkeiten ihres Kindes. Weniger bekannt ist jedoch, dass Migräne bei Kindern mit ADHS deutlich häufiger vorkommt als in der Allgemeinbevölkerung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass zwischen beiden Störungen ein enger Zusammenhang besteht.

Während ADHS vor allem als Aufmerksamkeits- und Selbstregulationsstörung bekannt ist, handelt es sich bei Migräne um eine neurologische Erkrankung, die weit über einfache Kopfschmerzen hinausgeht. Beide Erkrankungen betreffen die Funktionsweise des Gehirns – und genau hier beginnt ihre Verbindung.

Was sagen die Statistiken?

Die wissenschaftlichen Daten sind bemerkenswert. Eine große Metaanalyse ergab, dass etwa 26,6 % der Kinder mit ADHS regelmäßig unter Kopfschmerzen leiden.

Eine weitere Studie zeigte, dass Migräne bei rund 26 % der Kinder mit ADHS vorkommt, während nur etwa 10 % der gesunden Kontrollgruppe betroffen waren. Das bedeutet, dass Kinder mit ADHS ein deutlich erhöhtes Risiko für Migräne haben.

Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit einer ADHS-Diagnose mit zunehmender Häufigkeit von Migräneattacken.

Mit anderen Worten: Die Überschneidung ist kein Zufall, sondern scheint auf gemeinsame biologische Mechanismen zurückzuführen zu sein.

Was Studien über die Komorbidität zeigen

Gemeinsame neuronale Mechanismen

Forscher vermuten, dass ADHS und Migräne ähnliche neuronale Netzwerke betreffen. Beide Erkrankungen stehen mit Veränderungen in der Regulation von Aufmerksamkeit, Reizverarbeitung und Selbstkontrolle in Verbindung.

Die Rolle von Dopamin und Noradrenalin

Besonders interessant ist die Rolle der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe beeinflussen Aufmerksamkeit, Motivation, Schmerzverarbeitung und die Regulation von Stressreaktionen.

Störungen in diesen Systemen werden sowohl bei ADHS als auch bei Migräne beobachtet. Deshalb gehen viele Wissenschaftler heute von einer gemeinsamen neurobiologischen Grundlage aus.

Wie Migräne die ADHS-Symptome verstärken kann

Konzentrationsprobleme durch Schmerzen

Migräne verursacht nicht nur Schmerzen. Viele Kinder berichten während oder zwischen den Attacken über:

  • Konzentrationsprobleme
  • mentale Erschöpfung
  • Reizbarkeit
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • verlangsamtes Denken

Diese Symptome ähneln häufig den typischen ADHS-Beschwerden.

Beispiel aus der Praxis

Nicht selten kommen Kinder zur Diagnostik oder Therapie, weil sie sich in der Schule schlecht konzentrieren können. In der Anamnese zeigt sich jedoch, dass wiederkehrende Kopfschmerzen einen erheblichen Teil der Konzentrationsprobleme erklären.

Ein Kind, das täglich mit Kopfschmerzen kämpft, verwendet einen großen Teil seiner mentalen Ressourcen darauf, die Beschwerden zu bewältigen. Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis stehen dadurch weniger zur Verfügung. Die Folge: Das Kind wirkt unkonzentriert, vergesslich oder verträumt.

Wie ADHS Migräne begünstigen kann

Reizüberflutung und Stress

Kinder mit ADHS reagieren häufig empfindlicher auf Umweltreize. Laute Geräusche, starke Emotionen oder hektische Situationen können das Nervensystem zusätzlich belasten.

Diese dauerhafte Übererregung erhöht den Stresspegel und kann Migräneattacken begünstigen.

Schlafprobleme und Übererregung

Viele Kinder mit ADHS leiden außerdem unter Schlafproblemen. Zu wenig oder schlechter Schlaf gehört jedoch zu den wichtigsten Auslösern von Migräne.

Dadurch entsteht ein Teufelskreis:

ADHS → Schlafprobleme → erhöhte Migräneanfälligkeit → stärkere Konzentrationsprobleme → mehr Stress → weitere Migräneattacken.

Warum beide Störungen oft übersehen werden

Viele Symptome überschneiden sich. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit oder Leistungsabfall werden häufig ausschließlich dem ADHS zugeschrieben.

Die Migräne bleibt dabei manchmal unerkannt.

Deshalb sollte bei Kindern mit ADHS regelmäßig nach Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit oder familiärer Migränebelastung gefragt werden.

Neurofeedback als ganzheitlicher Therapieansatz

Stabilisierung des zentralen Nervensystems

Neurofeedback trainiert die Selbstregulation des Gehirns. Ziel ist es, die Aktivität neuronaler Netzwerke zu stabilisieren und eine bessere Balance zwischen Aktivierung und Entspannung zu erreichen.

Gerade bei Kindern mit ADHS und Migräne kann dies von besonderem Nutzen sein.

Verbesserung der Selbstregulation

Neurofeedback stärkt die Funktion des Frontalkortex. Dieser Bereich des Gehirns ist für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbststeuerung verantwortlich. Viele Kinder berichten nach dem Training über:

  • bessere Konzentration
  • weniger Ablenkbarkeit
  • bessere Emotionsregulation
  • mehr mentale Ausdauer

Unterstützung der Durchblutung bei Kindern mit ADHS und Migräne

Migräne und ADHS werden unter anderem mit Veränderungen der Hirndurchblutung und der neuronalen Aktivität in Verbindung gebracht. Eine verminderte Durchblutung des Frontalkortex kann dazu führen, dass der Frontallappen seine Steuerungsfunktionen nicht optimal erfüllt. Dies kann Defizite in den exekutiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Selbstregulation, Arbeitsgedächtnis und Impulskontrolle sowie eine eingeschränkte Top-down-Kontrolle zur Folge haben. Dadurch werden sowohl die Mechanismen der Schmerzhemmung als auch Prozesse der Informationsverarbeitung beeinträchtigt.

Verringerung sensorischer Überempfindlichkeiten

Viele Kinder mit ADHS reagieren besonders empfindlich auf Licht, Geräusche oder andere Sinnesreize. Neurofeedback unterstützt die Verarbeitung dieser Reize und hilft dem Gehirn, weniger stark auf Überstimulation zu reagieren. Dadurch profitieren sowohl Migräne- als auch ADHS-Symptome.

Was Eltern beachten sollten

Wenn ein Kind mit ADHS regelmäßig über Kopfschmerzen klagt, sollte dies ernst genommen werden. Häufig steckt mehr dahinter als gelegentliche Beschwerden. Eine sorgfältige Diagnostik kann helfen, beide Störungen zu erkennen und gezielt zu behandeln. Je früher die Zusammenhänge verstanden werden, desto besser lassen sich schulische, emotionale und soziale Belastungen reduzieren.

Migräne bei Kindern mit ADHS ist keine seltene Ausnahme, sondern eine häufige Komorbidität. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass beide Erkrankungen deutlich häufiger gemeinsam auftreten als bisher angenommen. Gemeinsame neurologische Mechanismen, Störungen der Reizverarbeitung und Veränderungen wichtiger Botenstoffsysteme könnten diese Verbindung erklären. Gleichzeitig können Migräne und ADHS sich gegenseitig verstärken und den Alltag der betroffenen Kinder erheblich erschweren. Neurofeedback bietet hier einen vielversprechenden Ansatz, da es das zentrale Nervensystem stabilisiert, die Selbstregulation verbessert, den Frontalkortex stärkt, Überempfindlichkeiten reduziert und die neuronale Balance unterstützt. Dadurch kann es helfen, sowohl Migränebeschwerden als auch ADHS-Symptome nachhaltig zu verbessern.

Quellen:

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Pan, P. Y., Jonsson, U., et al. (2022). Headache in ADHD as Comorbidity and a Side Effect of Medications: A Systematic Review and Meta-Analysis. Frontiers in Psychiatry.

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